Demi-Fine-Schmuck (Messing- oder Silberbasen mit Mikrometer-Vergoldung) wird oft mit REACH-bezogenen Unterlagen geliefert, doch dieselbe Zertifikatsformulierung kann unterschiedliche Tests abdecken. Nickel, Blei und Cadmium werden über verschiedene REACH-Mechanismen geregelt: manche begrenzen den Metallgehalt im Artikel, andere messen die Abgabe auf simulierte Haut. Wer die drei vermischt, erhält Bestehensberichte, die nicht zum Fehlermuster bei Zollscreening oder Tragetest passen.
Warum Metallgrenzen verwechselt werden
Exportdokumentation für vergoldete Ohrringe und Ketten listet häufig „REACH-konform“ ohne Annex-Eintrag oder Prüfverfahren. In der Praxis:
- Nickel wird vor allem über Abgabe nach Abrieb-Vorbehandlung kontrolliert, nicht über einen einfachen Prozentsatz im Legierungszertifikat.
- Cadmium in Schmuckmetall unterliegt einer strengen Gehaltsgrenze im fertigen Metallteil (kein Abgabetest im gleichen Sinn wie bei Nickel).
- Blei erscheint in mehreren REACH- und Produktsicherheitskontexten; Schmuck kann auf Gesamtblei im Metall oder in Oberflächenbeschichtungen geprüft werden, je nach Artikeltyp und Markt.
Ein Messingkern mit 0,3 µm Goldplattierung kann eine Gesamt-Cadmium-Aufschlussprobe der Schicht bestehen und dennoch bei Nickelabgabe scheitern, wenn Unterplattierung oder Lot hochnickelige Legierung enthält. Jedes Metall beantwortet eine andere Laborfrage.
Nickelabgabe unter REACH Annex XVII
Für Artikel mit direktem und langanhaltendem Hautkontakt setzt REACH-Eintrag 27 Nickelabgabegrenzen nach standardisierter Tragesimulation fest (üblich EN 12472 Abrieb gefolgt von EN 1811 Abgabetest):
- Piercingstäbe und -baugruppen: Abgabe nicht über 0,5 µg/cm²/Woche.
- Andere Hautkontakt-Schmuckstücke (Ohrringe, Ketten, Ringe an der Haut): Abgabe nicht über 0,2 µg/cm²/Woche.
Der Test zielt auf Migration von der Oberfläche unter schweißsimulierenden Bedingungen, nicht auf den Nickel-Massenanteil in der Gusslegierung. Edelstahl-Befestigungen, weißgoldfarbene Messinglegierungen und manche Lote sind häufige Verursacher, wenn die Abgabe trotz „nickelfreier“ Deckschicht scheitert.
Cadmium und Blei: Gehaltsgrenzen vs. Beschichtungsrisiko
Cadmium in Schmuck ist seit 2011 unter REACH-Eintrag 23 für Metallteile eingeschränkt: der Cadmiumgehalt darf im Metallanteil von Schmuck und Schmuckimitaten nicht gleich oder über 0,01 % Gewicht liegen. Das ist eine Bulk-Chemiegrenze am Metallanteil, einschließlich Basismetall und Befestigungen, kein Hautkontakt-Abgabemaß für Plattierung.
Blei-Beschränkungen hängen von der Artikelklassifikation ab. Metall-Schmuckkomponenten unterliegen seit Jahren verschärften Bleigrenzen unter REACH-Annexen zu Blei und Verbindungen in Artikeln für die Allgemeinheit, mit zusätzlicher Aufmerksamkeit bei mundgängigen oder für Kinder zugänglichen Teilen. Plattierte Oberflächen und Niederschmelzlote sind häufige Blei-Hotspots bei Demi-Fine-Konstruktion, weil bleihaltiges Messing und manche Hartlötlegierungen noch in älteren Werkzeugbeständen vorkommen.
Labordaten gegen die richtige Grenze lesen
Technische Akten, die Audits bestehen, trennen Metall, Test und Artikelrolle:
Jedes Feld explizit angeben
- Basislegierungsgrad für Guss und Befestigungen (z. B. bleifreie Messingspezifikation, Sterling 925, Lotlinienklasse).
- Plattierstapel Dicke und Metalle je Schicht (Kupfer-Flash, Nickelbarriere, Gold-Deckschicht); Nickelbarrieren beeinflussen Abgabe, auch wenn nicht sichtbar.
- Artikel-Kontaktklasse, ob die geprüfte SKU Piercing, Ohrhaken, Schlüsselbein-Kette oder Nicht-Kontakt-Anhänger ist.
- Testzitat Annex-Eintrag, Verfahren (EN 1811/12472, ICP-Aufschluss für Cd/Pb) und welche Komponente beprobt wurde (Ganzartikel vs. Befestigungscharge).
Tests, die verschiedene Fragen beantworten
- EN 1811 Nickelabgabe nach EN 12472 Abrieb: Hautkontaktrisiko für Eintrag 27; unabhängig vom Cadmiumgehalt.
- ICP/OES Gesamtelement-Aufschluss an Metallspänen: Cadmium- und Bleigehalt gegen Annex-Gehaltsgrenzen.
- XRF-Screening auf plattierter Oberfläche: schnelles Wareneingangs-Screening; bildet Abgabe oder Lot unter der Schicht ohne Abrieb möglicherweise nicht ab.
Metallparameter-Übersicht (indikativ)
| Metall | Typischer REACH-Fokus | Üblicher Test | Belegt nicht |
|---|---|---|---|
| Nickel | Abgabe an Haut (Annex XVII Eintrag 27) | EN 12472 + EN 1811 | Cadmiumgehalt, Bleigehalt, Plattierdicke |
| Cadmium | ≤ 0,01 % w/w in Schmuck-Metallteilen (Eintrag 23) | ICP-Aufschluss an Metallkomponente | Nickelabgabe, Beschichtungshaftung |
| Blei | Gehaltsgrenzen in zugänglichem Metall (mehrere Annex-Kontexte) | ICP an Metall/Lot; XRF-Screen | Nickelabgabe, Steinstabilität |
Demi-Fine-Programme, die niedrig-nickelige Barrieren und bleifreies Lot vor der Plattierung einsetzen, sehen oft Abgabe- und Gehaltskennzahlen gemeinsam verbessern, doch jede braucht ihre eigene Methodenzeile im Bericht. Eine einzelne „Schwermetalle bestanden“-Zeile ersetzt selten annexspezifische Ergebnisse.
Kernaussage
REACH-Metallregeln für Schmuck sind kein kombinierter Score: Nickel wird nach Tragesimulation über Abgabe beurteilt, Cadmium über Metallteil-Gehalt, Blei über Gehaltsgrenzen je nach Artikeltyp. Solide Dokumentation nennt Legierung, Plattierstapel, Kontaktklasse, Annex-Eintrag und Prüfverfahren pro Komponente. Wenn auf dem Datenblatt nur ein pauschales Konformitätslabel steht, führt der Korrekturweg über methodenspezifische Nachprüfung der fehlschlagenden Metallschicht, nicht über die Annahme, ein Gold-Deckschicht-Zertifikat decke Nickel in der Unterplattierung oder Blei im Lot ab.


